Tool No. 5: Heilige oder Huren

Sexualisierung, Sex, Sexismus. Wie hängen diese drei Begriffe zusammen? Zwischen Sexualität und Sexismus steht die Sexualisierung. „Männer haben Sex und Frauen sind Sex“ ist eine Formulierung die das Problem der Objektifizierung weiblicher Sexualität ziemlich genau trifft. Während Männer gerne dazu erzogen werden ihre sexuellen Bedürfnisse einzufordern, werden Frauen in ihrem sexuellen Ausdruck gehemmt. Männliche Sexualität wird oft zur emotionslosen Bedürfnisbefriedigung degradiert, während weibliche Sexualität scheinbar ihre Erfüllung darin findet dem Mann zu gefallen. Dreht man diese Rollen um, wird die Frau zur Schlampe und der Mann zum Waschlappen.

Die männliche Erziehung Bedürfnisse einzufordern und die weibliche Erziehung gefallen zu wollen ist eine Grundlage zur Grenzüberschreitung. Männliche Standpunkte formulieren es sei schwierig den Willen einer Frau zu erkennen, wenn sie diesen nicht äußert. Weibliche Standpunkte formulieren es sei schwierig persönliche Grenzen zu wahren, wenn jegliche Art des Selbstausdrucks, wie beispielsweise Kleidung, als Aufforderung interpretiert werden kann diese zu überschreiten. Sexualisierte Gewalt ist weltweit ein alltägliches Thema. Das weibliche „Nein“ scheitert oft an der Formulierung selbst, oder wird einfach übergangen.

Die Sexualisierung des weiblichen Körpers in den Medien hat ein nie da gewesenes Ausmaß erreicht.

Schon beim Frühstück grinst uns auf der Müslipackung lasziv eine Frau entgegen. Soziale Netzwerke sind voll von sexualisierter Selbstdarstellung und unsere Unterhaltungswelt ist voll von knapp bekleideten Hollywoodschönheiten mit Brustvergrößerung. Welche Auswirkungen hat eine so sexistisch vorprogrammierte Welt auf unsere Sexualität?

Der Einfluss dieser Umgebung spielt eine große Rolle. Wenn Menschen mit frauenfeindlichen Bildwelten aufwachsen hat das eine Auswirkung auf die Entfaltung ihrer sexuellen Persönlichkeit und auf den Umgang mit Anderen. Wie kann man diesen vorgeformten Bildern entgegen wirken?

Auch das Thema Prostitution ist bezeichnend für die Probleme einer sexistisch geprägten Gesellschaft. Im feministischen Kontext scheiden sich die Geister: für die Eine bedeutet es Freiheit, für die Andere bedeutet es Missbrauch. Ist die Einwilligung zur Objektifizierung des eigenen Körpers schon Freiheit genug?

Sexualität und Sexismus sind zwei stark miteinander verbundene Themen. Dieses Zine soll dazu dienen, eine vielseitige Sichtweise auf die weiblichen Sexualität zu schaffen und stereotypisierte Bilder zu hinterfragen. Damit erhält man ein Werkzeug, um eine Sexualkultur zu fördern, die ohne schädliche Rollen auskommt.