Tool No. 8: Wirtschaft

Wirtschaft dient als Motor unserer Gesellschaft. Unser wirtschaftliches System wie wir es heute kennen wurde vor langer Zeit konstruiert und – wer hätte das gedacht – von Männern für einen männlichen Arbeitsmarkt geschaffen. Auch wenn Frauen seit einiger Zeit nicht mehr für die unbezahlte Arbeit hinter dem Herd vorbestimmt werden ist es schwer sich nach alten Spielregeln auf einem männlich dominierten Markt zu etablieren.

Obwohl die Hausfrau der 60er Jahre Geschichte ist, sind es immer noch Frauen die hauptsächliche ihre Zeit investieren um unbezahlt den Haushalt zu schmeißen und sich um Kinder zu kümmern. Wie lässt sich das mit einem Arbeitsalltag vereinbaren? Und weshalb sind Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege immer noch überwiegend weibliches Terrain?

Die Gender Pay Gap beschreibt die ungleiche Vergütung von Männern und Frauen geleisteter Arbeit: Frauen verdienen im Durchschnitt weniger Geld als Männer. Dafür gibt es verschieden Ursachen. Männlich dominierte Berufe, wie beispielsweise Informatik oder Medizin, werden besser bezahlt als Berufe welche als weiblich gelten. Die Spezialisierung auf bestimmte Branchen folgt leider immer noch stereotypisierten Rollenbildern, weshalb es bei gut bezahlten Arbeitsplätzen oft zu weiblichem Fachkräftemangel kommt. Folglich wird die Stelle mit einem Mann besetzt. Abgesehen davon, gibt es aber auch Zahlen die zeigen, dass Frauen

mit gleichem Grad an Bildung und Erfahrung wie ihr männliches Pendant trotz allem weniger verdienen. Das ist auf direkte Diskriminierung zurückzuführen.

Schon zur Zeit der Erfindung von Marketingstrategien haben sich Frauen als guter Markt bewiesen. Die Frau bedarf an speziellen Produkten um ihre konstruierte Rolle zu erfüllen. Ist der Markt an Feinstrumpfhosen gesättigt, muss ein anderes Produkt her. Jetzt werden sogenannte "Shapewear-Hosen" verkauft, damit füllige Frauen sich auch wohlfühlen dürfen. Dieser Mechanismus beschreibt wie Konsumenten nicht nur den Markt formen, sondern wie der Markt auch seine Konsumenten formt. Weiblichkeit im Kapitalismus kann als Marke verstanden werden für welche hart gearbeitet werden muss um sie sich leisten zu können.

Wirtschaft formt unsere Gesellschaft und hält sie am Laufen. Ebenso sorgt sie an einigen Stellen dafür, dass benachteiligende Rollenbilder weitergetragen und gefestigt werden. Um Sexismus zu überwinden müssen Frauen in der Lage sein können eine selbstbestimmte Existenz zu gründen. Dieses Zine soll dazu dienen den Zusammenhang zwischen unserer Wirtschaft und persönlicher Freiheit besser zu verstehen. Mit diesem Verständnis hat man ein Werkzeug an der Hand, um mehr Freiheit einzufordern zu können und eine wirtschaftlich unabhängige und gleichberechtigte Existenz zu formen.